Der kleine Lehrer erscheint nicht, wenn viele zuschauen.
Er erscheint, wenn es kein Publikum gibt.
Wenn du siehst, wie jemand falsch hebt
und du einfach sagst:
„Beug die Knie ein wenig.“
Du hast keinen Unterricht gegeben.
Du hast einen Körper geschützt.
Wenn dich jemand nach dem Weg fragt
und du stehen bleibst, um klar zu zeigen —
nicht hastig, nicht abwesend,
sondern präsent und präzise.
In diesem Moment wirst du zum Orientierungspunkt.
Wenn du im Training neben jemandem stehst, der weniger Erfahrung hat,
und ohne viele Worte zeigst,
wie man im Bewegungsfluss atmet.
Nicht, um besser zu werden.
Sondern um nicht verloren zu gehen.
Wenn du Capoeira spielst und weißt, dass du dominieren könntest,
aber dich entscheidest, tiefer zu gehen,
den Rhythmus zu ändern
und Raum zu lassen.
Du lehrst, ohne zu sprechen.
Der kleine Lehrer zeigt sich auch außerhalb der Bewegung.
Wenn dir jemand wütend begegnet
und du nicht auf denselben Ton einsteigst.
Du bleibst stabil.
Präsent.
Das ist eine Lektion in Selbstkontrolle.
Wenn du etwas nicht weißt
und einfach sagst:
„Ich weiß es nicht.“
Du lehrst Ehrlichkeit.
Wenn du aufhörst, bevor du dich verletzt.
Du lehrst Grenzen.
Wenn du jemandem aufhilfst,
ohne ihn ruckartig zu ziehen,
sondern seinem Rhythmus folgst.
So wie man einem Camarada vom Boden hilft.
Der kleine Lehrer korrigiert nicht immer.
Manchmal steht er einfach richtig.
Kein Titel ist nötig.
Kein Kreis.
Nur ein hörender Körper und ein respektvoller Mensch.
Und jedes Mal, wenn wir in einem kleinen Moment richtig stehen,
geht etwas weiter.
Leise.
So wie Capoeira weitergeht, wenn sie echt ist.
